Michael Feil Architekten

STRASSEN UND PLÄTZE, NEUSTADT/DONAU

 

Einfach und klar erfolgt die Gestaltung der drei wichtigsten Zufahrten von Norden, Osten und Süden in die Altstadt von Neustadt. Der Vorschlag zur Neugestaltung der Bahnhofstraße sieht eine lockere, teils beidseitige, teils einseitige Bepflanzung mit Spitz-Ahorn vor. Sie fasst und definiert den Straßenraum.

Der einprägsame Stadtgrundriss mit der rechteckigen Grundfigur der Wittelsbacher Stadtgründung ist durch die Wallanlagen, den Alleengürtel und die teilweise noch vorhandene Stadtbefestigung deutlich erkennbar. Dieses für Neustadt stark identitätsstiftende Erscheinungsbild soll durch die Ergänzung der Wall- und Grabenanlage, der Kastanienbepflanzung und der fragmentarisch noch vorhandenen Stadtmauer, beispielsweise entlang der Lugausgasse, weiter gestärkt werden. Den Stadteingängen kommt dabei eine zentrale Rolle zu.

Unaufgeregt und zurückhaltend die Wahl der Beläge und Möblierungen innerhalb des Altstadtgebietes.
Sie sollen Basis, verbindendes Element für die historischen Stadthäuser und die teils heterogene Bebauung sein. Der Stadtplatz mit den Solitärbebauungen von Pfarrkirche, Rathaus und St.-Anna-Kirche wird als Raumkontinuum verstanden, als Abfolge von kleinen Plätzen in angemessener Maßstäblichkeit. Diese Raumfolge wird differenziert gestaltet. Betonbänder zonieren auch hier wieder Fahrbahn und Gehflächen. Vorgeschlagen wird eine künstlerische Gestaltung durch zweidimensionale Schriften, die Bezug zu Geschichte und Ort nehmen. Begleitend dazu werden lange Sitzbänke aufgestellt, die erst Aufenthaltsqualitäten im Stadtzentrum schaffen.

Sämtliche Flächen werden mit einem richtungslosen Pflasterbelag mit einem leichten Farbspiel in Beige-Grau-Tönen belegt. Er schafft Maßstab und stellt eine ruhige Basis für die öffentlichen Räume in der Altstadt her.

 

nur Menü Projekte öffnen: nicht Projekt öffnen

NEUGESTALTUNG ST. HEDWIGS-KATHEDRALE, BERLIN

Die St. Hedwigs-Kathedrale war die erste katholische Kirche Berlins nach der Reformation und wurde während der Regentschaft Friedrich des Großen nach Plänen des Hofarchitekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff in den Jahren 1747 - 1773 errichtet. Die endgültige Fertigstellung erfolgte im Jahre 1887 durch den Architekten Max Hasak. Im Jahre 1930 wurde die Hedwigskirche Bischofskirche und es erfolgten umfassenden Umbaumaßnahmen durch den österreichischen Architekten Clemens Holzmeister. Am 1. März 1943 wurde das Bauwerk durch Bombenangriffe bis auf die Außenmauern zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte von 1952 - 1963 nach den Plänen des Architekten Hans Schwipper.

Durch die große zentrale Bodenöffnung zur Unterkirche, die im Zuge des Wiederaufbaus geschaffen wurde, ist die Mitte des Gebäudes und somit die ursprüngliche Konzeption des Kirchenbaus zerstört. Der vorgegebenen Raumgeometrie folgend versammelt sich die Gemeinde ringförmig um die bestehende Altarinsel, welche als „exzentrische Mitte“ das Zentrum der liturgischen Handlungen bildet. Der Chor wird als Teil der Feiergemeinde seitlich der Altarinsel angeordnet. Die Marienverehrung erhält neben den zentralen liturgischen Orten seitlich der Altarinsel eine besondere Bedeutung. Der Kirchenraum erhält eine schlichte, helle Fassung, so dass eine einheitliche und zugleich angemessen festliche Raumwirkung entsteht.

Die Unterkirche wird vom Hauptkirchenraum über zwei breite Treppen erschlossen. Das ringförmig angeordnete Gestühl öffnet sich zum Altar und Ambo und umschließt eine vertieft stehende Taufschale in der Mitte des Raums. Der Initialritus der Taufe wird durch einen Lichtstrahl beleuchtet, der über eine kleine Deckenöffnung aus dem Zenitlicht der Kuppel einfällt.
Der 1974 errichtete Erweiterungsbau entlang der Hedwigskirchengasse wird abgebrochen. Der historische Gebäudeteil wird umgebaut und saniert sowie durch einen Neubau erweitert. Beide Gebäudeteile sind als Einheit mit einer offenen Struktur konzipiert. Im Erdgeschoss befindet sich im historischen Teil das Domforum - im Neubau ein Cafe. Die Obergeschosse könnten für Verwaltung sowie für Seminare und Veranstaltungen genutzt werden.

Zwischen Kathedrale und Lichtenberghaus spannt sich der neue Domplatz auf, der der inhaltlichen und städtebaulichen Bedeutung des Ortes gerecht wird. Ein öffentlicher Platz und Veranstaltungsort; - der Mittelpunkt des Erzbistums Berlin.

 

 

WOHNQUARTIER SCHÄFFNERSTRASSE, REGENSBURG

 

Die städtebauliche Figur wird nach dem geplanten Abbruch der bestehenden Bebauung entlang
der Schäffnerstraße und Grasgasse durch zwei neue Baukörper weitergebaut, die in Gebäudehöhe
und -tiefe auf das markante, giebelständige Bürgerhaus des 18. Jahrhunderts reagieren.
Die neuen Gebäude werden in das Stadtgefüge eingepasst, bestehende historische Baufluchten
übernommen und die Maßstäblichkeit und Parzellierung der Nachbarbebauung wieder aufgegriffen.
Zusammen mit der östlichen und nördlichen Bebauung bilden die winkelförmigen Neubauten
einen großzügigen, introvertierten Innenhof. Es entsteht ein Gebäudeensemble, das sich
selbstverständlich mit angemessener Korngröße und Kubatur in das bestehende Stadtgewebe
einfügt und doch seine Entstehungszeit nicht leugnet.

Die Gebäudeteile sind jeweils für sich einfach organisiert. Im Erdgeschoss befinden sich insgesamt
sechs Ladeneinheiten unterschiedlicher Größe, die Zugänge zum Innenhof und zur Tiefgarage
und die Eingänge der Treppenhäuser der darüberliegenden Wohngeschosse. Aus Rücksicht
auf die archäologische Substanz soll das Parkdeck nur halb versenkt werden, Eingriffe in den
Boden können so minimiert werden.

Jeder Gebäudeteil erhält sein eigenes Treppenhaus. Die Wohnungen selbst sind klar organisiert,
zweiseitig belichtet und die Wohnzone für Kochen, Essen und Wohnen räumlich differenziert
gestaltet, so dass sich die Vorstellung an Flexibilität, Variabilität und Offenheit für zeitgemäßes
Wohnen erfüllen. Annähernd jeder Wohnung wird zudem ein großzügiger Freibereich als Loggia
zum ruhigen Innenhof zugeordnet.

Die Idee des ‚Weiterbauens‘ wird durch Konstruktion, Materialität und Oberflächenstruktur fortgesetzt.
Die Wandflächen der Fassaden werden mit eingefärbten Rauhputz belegt, die mit feinem
Faserbeton gerahmten Öffnungen der Lochfassaden entsprechend variiert: verglaste zurückversetzte
Fensterelemente der Wohnungen wechseln in Lage und Ausbildung zu den Öffnungen
der Ladeneinheiten, der fassadenbündige Sockel wird zum Türgewände oder zur Eingangsstufe.
Eingefärbter Putz, geschliffener Beton, dunkel gebeiztes Eichenholz, Kupferblech und die naturrote
Ziegeldeckung bestimmen das Erscheinungsbild aller Gebäude.

Ganz selbstverständlich fügen sie sich als zeitgenössischer Eingriff in das gewachsene Stadtgefüge
ein.


NEUORDNUNG WOHNANLAGE, REGENSBURG

 

An der Schnittstelle zwischen der kleinteiligen Bebauung der Ganghofersiedlung mit ihren zweigeschossigen Mehrfamilienhäusern, den beiden großen Baukörpern des südlich gelegenen Johannesstifts und dem Vitusheim im Norden liegt die Wohnanlage aus den 1950er und 60er Jahren.

Die städtebaulichen Leitbilder dieser Zeit mit mehrgeschossigen, annähernd identischen Gebäudetypologien in einer parkähnlichen Anlage sind gut erkennbar.
Die Stellung der Baukörper zueinander schafft differenzierte Außenräume mit großen hofähnlichen Räumen. Der Entwurf versucht, die spezifischen und identitätsstiftenden Elemente des Bestands
zu erkennen, die Qualitäten der Wohnanlage aufzugreifen, zu stärken und weiterzuentwickeln.

Der Gebäudebestand wurde auf seine Zukunftsfähigkeit in städtebaulicher, funktionaler und baulicher Hinsicht bewertet. Je nach seinen Qualitäten wird der Bestand erhalten, umgebaut, an- und aufgestockt oder durch Neubauten ersetzt. Durch diese differenzierte städtebauliche Strategie soll eine langfristig attraktive Wohngegend entwickelt werden, die ökologische, gesellschaftliche und individuelle Bedürfnisse berücksichtigt, die nachhaltig und zukunftsfähig ist, aber auch durch den Erhalt ihrer spezifischen Merkmale die Akzeptanz ihrer Bewohner behält.

JÜDISCHES GEMEINDEZENTRUM, REGENSBURG

„Wer ein Haus baut, will bleiben“ - Salomon Korn, 1986.

Auf dem Grundstück der 1912 an der Straße „Am Brixener Hof“ errichteten und 1938 durch die Nationalsozialisten zerstörten Synagoge soll ein neues jüdisches Gemeindehaus mit einer neuen Synagoge errichtet werden. Ganz selbstverständlich wird die städtebauliche Figur durch einen winkelförmigen Baukörper weitergebaut. Das neue Gebäude besetzt die Grundstücksgrenzen der Nord- und Ostseite und schließt an das Fragment des verbliebenen Gemeindehauses an. Es entsteht ein introvertierter Innenhof um den sich alle Gebäudeteile des differenzierten Raumprogramms gruppieren. Die Synagoge als größtes, dominierendes Volumen besetzt die südöstliche Ecke an der Luzengasse und der Straße „Am Brixener Hof“. Orientiert sich der Bestandsbau und die neuen Gemeinderäume an dem umgebenden gewachsenen Stadtgefüge, überragt die neue Synagoge als Mitte der jüdischen Gemeinde als turmartiges Bauwerk zeichenhaft für das Geviert die restlichen Gebäudeteile.

Der Entwurf zielt auf eine funktional sinnvolle Gruppierung des vielfältigen Raumprogramms ab. Über einen zentralen Innenhof erreicht man das Foyer, dem sich der große Versammlungsraum, die Bibliothek und der Clubraum angliedern. Über einen großzügigen Treppenaufgang erreicht man das erste Obergeschoss mit Zugang zur Synagoge. Zusätzlich vorgesehen wird hier eine Galerie, um die Nutzungsmöglichen des Veranstaltungsraums noch zu erweitern. Ein Übergang zum Bestandgebäude vernetzt Alt und Neu miteinander. Im zweiten Obergeschoss befinden sich die Schulräume der Gemeinde. Für die Kinderbetreuung kann der große Dachgarten genutzt werden. Die Organisation des Bestandsgebäudes is einfach und klar. Der bestehende Synagogenraum wird weiterhin als Betraum genutzt. Ebenso bleibt die Mikwe in ihrer bisherigen Funktion erhalten. Im südlichen Gebäudetrakt werden die Verwaltungsräume angeordnet, im nördlichen Teil die Wohnungen bis ins neu ausgebaute Dachgeschoss. Dazwischen ist Raum für die Erinnerung an die bewegte Geschichte der Regensburger Juden und der Stadt. Begegnungsstätte der Jüdischen Gemeinde und allen Besuchern ist das Café an der Luzengasse. Es bietet unabhängig vom übrigen Gemeindehaus die Möglichkeit für Austausch und Begegnung.