Michael Feil Architekten

ALPINES MUSEUM, MÜNCHEN

 

Bestand und Neuordnung

Seit 1911 befindet sich das Alpine Museum des Deutschen Alpenvereins in dem ursprünglich als Café und Restaurant von Friedrich Loewel in den Jahren 1887-1888 errichteten neubarocken Gebäude auf der Praterinsel. Nach einer Erweiterung der Ausstellungsflächen 1926 und großen Kriegsschäden erfolgte durch Wolfgang Rothenbücher 1948 – 1952 der Wiederaufbau. Die Gebäudestruktur wurde dabei weitgehend übernommen, das äußere Erscheinungsbild jedoch entsprechend des Zeitgeistes in einfacher und reduzierter Form verändert.

Entwurfsidee

Das Alpine Museum auf der Praterinsel soll als physischer Begegnungs- und Ausstellungsort gestärkt werden. Dies wird u.a. erreicht durch eine Vergrößerung der Ausstellungsflächen, eine stärkere räumliche Verbindung von Museum und Bibliothek und eine Ausweitung des gastronomischen Angebots. Zudem soll die Sichtbarkeit des Alpinen Museums und seiner Einrichtungen auf der Praterinsel erhöht werden. Eine Umgestaltung der Zugänge und des Gartens sowie eine optimierte Ein- und Verbindung des Geländes und der Zugänge in den umliegenden innerstädtischen Isar-Raum sollen zu einer größeren Präsenz und Wahrnehmung im Stadtbild führen.

Die Besonderheit des Ortes, die Lage des Hauses zwischen Stadt und Naturraum, zwischen Land und Wasser, ist das Charakteristikum des Alpinen Museums. Eine neuer zentraler Eingang von Westen schafft einen klar erkennbaren Zugang zum Museum. Durch eine großzügige Eingangssituation kann die Präsenz des Gebäudes im Stadtraum deutlich verbessert werden. Ganz selbstverständlich wird das Alpine Museum durch das Zusammenführen der verschiedenen Eingänge und die Verlegung zum Straßenraum hin zukünftig als öffentliches Gebäude wahrgenommen. Es öffnet einen Blick in das bisher verschlossene Innere. Ganz einfach wird durch diese neue Achse zwischen Stadt und Museumsgarten die Funktion des Hauses erklärt. Markant prägt der vorspringende Sockel aus Nagelfluh das bestehende Gebäude. Mit drei großen Öffnungen, die in den Fensterachsen des Mittelrisaliten angeordnet werden, wird der neue Eingang deutlich sichtbar in den Bestand eingefügt. Die Leibungen erhalten eine Verkleidung in Nagelfluh, so dass sich bereits beim Eintritt in das Gebäude seine Bestimmung zeigt. Als prägnantes Material setzt sich das Konglomeratgestein weiter im Belag des Eingangsbereichs über das Foyer über den Eingang, das Café bis zu den neu gestalteten Gartenterrasse fort. Als steinernes Band verbindet es die zentralen öffentlichen Bereiche des Museums, die Stadt und die Natur. Im Sinne eines Weiterbauens wird so das bereits verwendete Steinmaterial der Fassade aufgegriffen. In selbstverständlicher Weise setzt sich die Sicht- und Wegeachse in Gebäudenähe als befestigte Freifläche und dann weiter in Stützmauern und Rasenterrassen bis zur Isar hin fort. Es verzahnt das Gebäude mit dem Museumsgarten und den in Anlehnung an die gründerzeitliche Gartengestaltung neu gestalteten Rundweg.

 

WOHN - UND GESCHÄFTSHAUS DONAUMARKT, REGENSBURG

 

Unaufgeregt und selbstverständlich erfolgt der Lückenschluss des Trunzerblocks an der Nord- Ost-Ecke. Die vorgegebene Baumasse wird, in zeitgemäßer Eigenständigkeit, in die gewachsene Altstadt integriert.

Die städtebauliche Figur wird durch die beiden satteldachförmigen Gebäudeteile weitergebaut. Auch die Höhen der Traufen reagieren auf den Gebäudebestand: als Weiterführung der Traufe des westlichen Eckgebäudes und, leicht erhöht, an der Trunzergasse. Ein städtebaulicher Akzent wird mit der Ausbildung eines Giebels an der Ecke Donaumarkt-Trunzergasse gesetzt. Zusammen mit der Neubebauung des Brücherareals und einer möglichen Bebauung des Donaumarktes ist hier eine platzartige Aufweitung denkbar.

Das Gebäude wird als städtisches Haus mit den Grundelementen Wand und Fenster definiert. Die Fassaden beider Gebäudeteile gleichen sich in Oberfläche, Struktur, Farbigkeit wie auch der Detailausbildung. Ihre Eigenständigkeit erhalten sie durch die verschiedenen Proportionen ihrer Fensteröffnungen.

Geschlossene Wandflächen wechseln mit Fensteröffnungen ab, schaffen Rhythmus und Maßstab und gliedern so die Fassaden. Elemente der Altstadt – steinerne Sockel und Fenster- und Türge- wände – werden aufgegriffen und zeitgemäß interpretiert.

Durch die Gewerbeeinheiten erfolgt eine stärkere Öffnung des Erdgeschosses. Die großen Fens- teröffnungen werden durch die Bündigkeit in der Fassade als wirkliche ‚Schaufenster‘, die zu- rückspringenden Eingänge auch als solche ausformuliert.

Die geschlossenen Dachflächen sind bewußt ruhig gestaltet. Die notwendige Belichtung des Dachraums erfolgt an Trunzergasse und Donaumarkt über wenige Dachgauben, an der Hofseite über zwei Einschnitte im Dachbereich.


KINDERHAUS UND KAPELLE, REGENSBURG - WEICHS

 

Zwei Baukörper werden auf dem Wettbewerbsgrundstück in Regensburg-Weichs eindeutig und klar positioniert. Die Anordnung und einprägsame Ausbildung beider Baukörper schafft im Süden einen öffentlichen Raum, der sich zum ehemaligen Schloss ausrichtet und einen angemessenen Mittelpunkt des insgesamt heterogenen Stadtquartiers bildet.

Das Kinderhaus ist einfach und klar organisiert. Ein offener Bewegungsraum, der durch seine tribünenartige Ausbildung mehrfach nutzbar ist, verbindet Krippengruppe und die Gruppen des Kindergartens. Das Gebäude lebt von seinen vielfältigen und differenzierten Raumsituationen und Stimmungen. Der Gruppenraum mit den gefalteten Dachflächen, der galerieartige Rückzugsraum und die davor angelagerte Spielloggia lassen Aus- und Durchblicke zu, lassen Räume in der Höhe und Licht- und Schattenspiele erlebbar werden und regen damit die Sinne und Phantasie der Kinder an. Jeder Gruppe zugehörig ist ein eigener Teil des Spielflurs. Raumprägend darin die schwebende Box des Rückzugsraums, die gefalteten Wände und Decken und der Ausblick auf den jeder Gruppe eigenen Baum.

Selbstbewusst steht der neue Sakralbau an der Straße, greift die archaische Form eines Giebelhauses auf, übersteigert sie in Höhe und Proportion, ein körperhaftes Gebäude, das sich doch in die unmittelbare Umgebung der Wohnhäuser einordnet. Den Kirchenraum dann selbst zu betreten bedeutet den Wechsel vom öffentlichen Platz, vom Alltagsgeschehen, in einen Raum von mystischer, sakraler Stimmung und Gestalt. Der Raum lebt von zwei Elementen: Proportion und Licht. Die Raumform, wieder das vertraute, äußere Bild, ist Gefäß, Hülle für das Licht. Licht, das entlang der Wände streicht, das sich steigert zum Altar hin, zu einer hellen, weißen Rückwand, bis sich der Raum zur Sonne, nach Osten, zum Himmel hin öffnet.