Michael Feil Architekten

Ort Regensburg
Bauherr Stadt Regensburg
Planung 2017
Geladener Wettbewerb
 

ALTES RATHAUS, REGENSBURG

BARRIEREFREIE ERSCHLIESSUNG DES REICHSSAALS
 
Über Jahrhunderte hinweg hat das Alte Rathaus von Regensburg zahlreiche Veränderungen erlebt. Der um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstandene Kernbau wuchs durch An- und Umbauten des 14. bis 18. Jahrhunderts zu einem umfangreichen Baukomplex. Der Reichssaalbau, 1360 als Tanz- und Festsaal der Freien Reichsstadt errichtet und von 1663 bis 1806 Sitz des Immerwährenden Reichstags, sollte eine barrierefreie Erschließung an der Westseite erhalten.
Nach dem Neuordnungsvorschlag von Prof. Hans Döllgast erfolgte ein Abbruch der Neben- und Rückgebäude, unter dem Areal wurde eine Tiefgarage errichtet und mit der Öffnung des Fechthofs zur Baumhackergasse wurde ein neuer Platz geschaffen. Heute dient der Hof lediglich der Zulieferung und als temporärer Stellplatz für den Lieferverkehr und Fahrräder. Eine adäquate Nutzung und Belebung des Ortes fehlt.
Aufgabe war es, einen angemessenen Gestaltungsvorschlag für die Errichtung einer Aufzugs- und Treppenanlage im Fechthof zu erarbeiten.
In der Tradition von Profanbauten der Spätgotik und Renaissance wird eine Wendeltreppe als eigenständiges, funktionsgebundenes Element vor die Fassade gesetzt. Eine Skulptur, die aus ihrer Bestimmung heraus, aus den Bedingungen vor Ort entwickelt wurde. Gleich einer Plastik wird sie in ihrer Präsenz dem Fechthof eine Identität geben. Keine vordergründige Transparenz, kein Kontrast zum Bestand, sondern eine Gestalt, die - reduziert auf das Notwendige - ihre Aufgabe und ihre Zeit nicht leugnet. Der Fechthof ist durch wenige Materialien geprägt. Bruchrauhes Granitpflaster, farbige Putzfassaden, handwerkliche Baudetails – Werksteine und Spolien aus heimischen Kalkstein, Holzfenster, Metallgitter – definieren den Ort.
Unser Entwurf führt die Einfachheit des Ortes fort: Auf einem Sockel aus Kalkstein sitzt ein zylindrischer Körper, der den Aufzug aufnimmt. Eine Treppe windet sich mit Zwischenpodesten um ihn herum. Ein Steg überbrückt die Distanz zwischen Aufzug und dem Zugang zum Nebenzimmer des Reichssaals. Sämtliche Metalloberflächen sind aus brünierter Baubronze gefertigt. Ein Material, das sich durch die Bewitterung und seine Benutzung ändern wird. Es zeigt die Spuren des Gebrauchs, lebt durch das Material und schimmert sanft im Sonnenlicht.