Michael Feil Architekten

BEINHAUS ST. KASSIAN

 

Das über sechseckigem Grundriss errichtete ehemalige Beinhaus des Friedhofs von St. Kassian, südlich der Alten Kapelle gelegen, wird auf 1477 datiert. Nach der Friedhofsnutzung wurde das Gebäude im 19. Jahrhundert zur Kapelle umgestaltet, 1906 erfolgte die letzte Renovierung. Akute statische Probleme machten eine umfassende Instandsetzung des Gebäudes, das über Jahre nur noch als Lagerraum genutzt wurde, notwendig.

Die Maßnahmen umfassten die Sicherung der Gewölbekonstruktion, statische Sicherungsmaßnahmen, die Restaurierung der Natursteinfassaden, die Konservierung und teilweise Erneuerung der Putzoberflächen und die Restaurierung der noch vorhandenen Epitaphe.

An Stelle des flach gedeckten Pultdaches, eine Konstruktion des 20. Jahrhunderts, wurde auf dem unregelmäßigem Grundriss ein Zeltdach errichtet, so dass das Beinhaus wieder im Straßenraum erkennbar ist.

Das ehemalige Beinhaus wird zukünftig als Lapidarium, als Lagerstätte für Epitaphfragmente und Steinskulpturen, genutzt.

Im Zuge der Arbeiten entschied sich das Stiftskapitel der Alten Kapelle für den Abbruch bestehender Garagen, die Errichtung von überdachten Stellplätzen und die Neugestaltung des Innenhofs.
Eine filigrane Metallkonstruktion entlang des Kreuzgangs ersetzt die Garabenanbauten und läßt die Größe des umfriedeten Innenhofs wieder erkennen. Die Belagswechsel im Pflaster markieren den Verlauf des früheren Friedhofsbezirks.

 

 

FRIEDHOFSKIRCHE ST. MARTIN

 

Außerhab der Ortschaft Schönach, unmittelbar an der historischen Heerstraße zwischen Regensburg und Passau liegt die ehemalige Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Martin.

Die Reste eines romanischen Baus haben sich noch in der östlichen Stirnwand des Langhauses erhalten, der Chor und Turmunterbau wurden in der Gotik errichtet und der Innenraum mit einem umfangreichen Freskenzyklus geschmückt. Im 17. und 18. Jahrhundert erfolgte schrittweise die Barockisierung der Kirche mit der Errichtung eines vierjochigen tonnengewölbten neuen Langhauses, einer Erhöhung des Turmes mit barocker Zwiebelhaube und der Ausgestaltung der Kirche mit einer aufwändig ausgemalten frühklassizistischen Raumschale und Altären mit Kanzel im Stil des Rokoko.

Mit dem Bau einer neuen Pfarrkirche in der Ortsmitte ab 1921 erfolgte dann im 20. Jahrhundert mit dem Abbau und Verkauf der Ausstattung der schleichende Niedergang der damit funktionslos gewordenen Kirche. Nach einem unvollendeten Instandsetzungversuch und Jahrzehnten des Leerstands erfolgten ab 2008 eine erste Notsicherungen und ab 2011 eine umfassende Instandsetzung der alten Pfarrkirche. Im November 2015 konnte St. Martin wiedereröffnet werden und wird seitdem als Friedhofskirche genutzt.

Ohne die Kenntnis der so einzigartigen Bau- und Restaurierungsgeschichte ist die heutige Gestalt der Martinskirche in Schönach nicht zu verstehen. Das Konzept versuchte, die Geschichtlichkeit des Bauwerks in seiner Vielschichtigkeit und mit allen Verletzungen spürbar zu erhalten und ebenso einen hohen ästhetischen Anspruch an eine (Neu)Gestaltung des Kirchenraums zu erfüllen. Die freigelegten gotischen Malereifragmente bilden den Blickpunkt des Kirchenraums. Wie ein Schattenbild wirkt die hergestellte Kontur des verlorenen barocken Hochaltares, die die Malerei begrenzt und damit die Baugeschichte von Gotik und Barock gleichzeitig zeigt. Eine feine textile Bespannung wurde zur optischen Beruhigung in die Gewölbe gehängt, so dass die Dominanz und Farbigkeit der durch Freilegungen stark gestörten Deckenbilder zurückgenommen ist.

Die am nördlichen Seitenaltar aufgestellte Madonna mit Kind ist neben den sehr qualitätvollen Epitaphen aus der Zeit um 1600 der Familie von Nothaft das einzige erhaltene Ausstattungsstück der Martinskirche. Mit der sehr zurückhaltenden neuen Ausstattung, die sich auf das für die Feier der Liturgie Notwendige beschränkt, entsteht ein neuer sakraler Ort, der an seine Geschichte anknüpft, den historischen Bestand respektiert und doch eine eigenständige Lösung sucht.

 

 

PFARRKIRCHE ST. PETER UND PAUL

 

Die im Jahr 1729 errichtete und 1886/87 erweiterte Pfarrkirche St. Peter und Paul in Ergoldsbach erfuhr über die Jahrhunderte zahlreiche bauliche Veränderungen. Nach der Erweiterung und Neugestaltung im 19. Jahrhundert wurden 1966 sämtliche Altäre und Ausstattungsteile aus dem Kirchenraum entfernt und neu gestaltet.

Bei der Innenrenovierung wurden die Prinzipalstücke teilweise neu gestaltet und neu angeordnet.
Carrara Mamor und Tombak dominieren materialtechnisch die Gestaltung im Altarraum. Prägend für den sakralen Raum sind die beiden neuen farbigen Ostfenster. So erhält der Altarraum eine hervorgehobene Bedeutung und hüllt den gesamten Raum in ein warmes, hellgelbes Licht.

Die Seitenaltäre wurden versetzt. Im Norden wurde mit der gotischen Pieta und dem ehemaligen Altarbild ‚Maria Immaculata‘ der Ort der Marienverehrung neu gestaltet.

Im südlichen Querhaus konnte ein neuer Taufstein aufgestellt werden. Mit den Heiligen Ölen, die in einem Behältnis auf der Altarplatte stehen, und einem neuen Osterleuchter wurde der Taufort neu gestaltet.

Durch eine farbliche Anpassung der Gestühle konnte ein einheitliches, ganz selbstverständliches Erscheinungsbild erreicht werden.

Für den neugestalteten Beichtraum und ein notwendiges Stuhllager wurden beidseits des Hauptzugangs zwei Räume wie Möbel unter der Empore eingestellt. Die holzverkleideten Wände nehmen Auslage und Infowand auf und integrieren den bestehenden Treppenaufgang. Zusammen mit einer Überarbeitung des Turmgeschosses konnte der gesamte Eingangsbereich neu gestaltet werden.

Mit der Innenrenovierung der Pfarrkirche St. Peter und Paul konnte eine einheitliche, durchgängige Gestaltung umgesetzt werden. Die liturgischen Orte haben nun jeweils einen eindeutigen Platz im Kirchenraum und tragen mit ihrer Gestaltung dazu bei, dass der Innenraum den heutigen Anforderungen gerecht wird und viele Möglichkeiten einer liturgischen Nutzung zulässt.

 

 

BISCHÖFLICHES BAUREFERAT

 

1963 erfolgte der Neubau eines Bankgebäudes auf dem Grundstück des Konvents der Karmeliten am Alten Kornmarkt im Zentrum der Regensburger Altstadt.

Die letzte prägende Gestaltung erhielt der Innenraum der Bankfiliale im Jahr 1991 im Rahmen eines Eigentümerwechsels. Nach Jahren des Leerstands sollten drei der fünf Geschosse des Geschäftshauses für die Bauabteilung der Diözese Regensburg umgebaut werden.

Die Einbauten wie Tresorraum, gläserne Beratungszellen oder die frei in die ehemalige Schalterhalle eingestellten Wandscheiben sollten erhalten, die Oberflächen und Materialien jedoch der neuen Nutzung als Verwaltungsgebäude angepasst werden. Sämtliche Verkleidungen werden im Sinne einer vollständigen Transformation der Räume abgenommen und wo notwendig erneuert.

Die Räume werden geprägt durch ein einheitliches, reduziertes Farb- und Materialkonzept:
Freigelegte, weiß getünchte Betondecken, weiße geputzte Wandflächen, hell lasierte Holzverkleidungen, dunkler gewebter Teppichboden. Die Räume selbst werden durch eine neue, einheitlich in weiß gehaltene Möblierung zoniert.
Nach Außen zeigt sich die Änderung der Nutzung lediglich im Erdgeschoss durch den neu gestalteten Eingangsbereich und neue Fensterelemente.

 

STIFTSKIRCHE ST. KASSIAN


Das Alter der Stiftspfarrkirche St. Kassian war zu Beginn der Voruntersuchungen 2010 augenscheinlich zu spüren. Nach der Verbesserung der Gründung der Kirche, einer umfassenden Reparatur des Dachtragwerks und einer Fassadenrenovierung sollte in einem zweiten Bauabschnitt der Innenraum mit seiner gesamten Ausstattung renoviert werden. Ein Blick in die Renovierungsgeschichte von St. Kassian zeigt, dass oft ein schlechter Bauzustand oder auch die Anpassung an den Zeitgeschmack große bauliche Veränderungen oder Umgestaltungen der Kirche auslösten. Es konnte ein differenziertes Restaurierungskonzept für den Innenraum und seine Ausstattung, ein Spagat zwischen Bewahren und Verändern, erarbeitet und ab 2012 umgesetzt werden. Neben der Neugestaltung der liturgischen Ausstattung erhielt das vielverehrte Andachtsbild der Fatimamdonna erhielt mit einer vergoldeten Rückwand einen eigenen intimen Ort, der zur stillen Andacht einlädt.

Der im 19. Jahrhundert für den gotischen Kassiansschrein geschaffenen Steinaltar wurde gegenüber des wiedergeöffneten Nordportals im Südschiff der Kirche aufgestellt, so dass der Kassiansaltar an zentraler Stelle einen neuen Platz fand. Mit der Wiederaufstellung aller vier erhaltenen barocken Beichtstühle und der Neuhängung der Kreuzwegstationen konnten damit die Seitenschiffe neu geordnet werden.

Ein neuer Beichtort, geeignet zur anonymen Beichte und für Beichtgespräche, füllt als eingestelltes Möbel den Durchgang zwischen Andachtsraum und dem nördlichen Seitenschiff. Weitere Räumlichkeiten konnten durch den Ersatzbau eines Nebengebäudes geschaffen werden, der über einen neuen Durchbruch von der Sakristei über einen neu gestalteten Innenhof erschlossen wird. Auch die sogenannte „Kleine Sakristei“ mit dem gotischen Rippengewölbe erhielt ihre Nutzung wieder zurück. Hier wird das vorhandene wertvolle liturgische Gerät aufbewahrt und kann damit als Schatzkammer bei Kirchenführungen den Besuchern präsentiert werden.

Vieles der Inneninstandsetzung soll selbstverständlich wirken. Der Besucher soll trotz aller Verluste und Veränderungen den Kirchenraum als Einheit begreifen und seine Besonderheit als gewachsenes und sich veränderndes Kunstwerk schätzen.

Vor allem aber soll St. Kassian weiter ein Ort des Gottesdienstes und der stillen Einkehr sein.