Michael Feil Architekten

Maßnahme Gesamtinstandsetzung
Standort St.-Martin-Straße 10
Äußere Au
93099 Mötzing - Ortsteil Schönach
Bauherr Katholische Pfarrkirchenstiftung St. Martin
Ausführung 2014 - 2015
Bruttogrundfläche 270 m2
Gesamtkosten 1.593.000 €
Leistungsphasen HOAI, Lph. 1-9
Fertigstellung Oktober 2015
Tragwerksplanung Peter Hofmann, Regensburg
Restauratorische Raumschale/Malerei:
Fachbauleitung Michael Bengler, Dingolfing
Naturstein: Steinwerkstatt, Regensburg
Fotos altrofoto, Uwe Moosburger, Regensburg
Ausgewählt für die Architektouren 2016

FRIEDHOFSKIRCHE ST. MARTIN

 

Außerhab der Ortschaft Schönach, unmittelbar an der historischen Heerstraße zwischen Regensburg und Passau liegt die ehemalige Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Martin.

Die Reste eines romanischen Baus haben sich noch in der östlichen Stirnwand des Langhauses erhalten, der Chor und Turmunterbau wurden in der Gotik errichtet und der Innenraum mit einem umfangreichen Freskenzyklus geschmückt. Im 17. und 18. Jahrhundert erfolgte schrittweise die Barockisierung der Kirche mit der Errichtung eines vierjochigen tonnengewölbten neuen Langhauses, einer Erhöhung des Turmes mit barocker Zwiebelhaube und der Ausgestaltung der Kirche mit einer aufwändig ausgemalten frühklassizistischen Raumschale und Altären mit Kanzel im Stil des Rokoko.

Mit dem Bau einer neuen Pfarrkirche in der Ortsmitte ab 1921 erfolgte dann im 20. Jahrhundert mit dem Abbau und Verkauf der Ausstattung der schleichende Niedergang der damit funktionslos gewordenen Kirche. Nach einem unvollendeten Instandsetzungversuch und Jahrzehnten des Leerstands erfolgten ab 2008 eine erste Notsicherungen und ab 2011 eine umfassende Instandsetzung der alten Pfarrkirche. Im November 2015 konnte St. Martin wiedereröffnet werden und wird seitdem als Friedhofskirche genutzt.

Ohne die Kenntnis der so einzigartigen Bau- und Restaurierungsgeschichte ist die heutige Gestalt der Martinskirche in Schönach nicht zu verstehen. Das Konzept versuchte, die Geschichtlichkeit des Bauwerks in seiner Vielschichtigkeit und mit allen Verletzungen spürbar zu erhalten und ebenso einen hohen ästhetischen Anspruch an eine (Neu)Gestaltung des Kirchenraums zu erfüllen. Die freigelegten gotischen Malereifragmente bilden den Blickpunkt des Kirchenraums. Wie ein Schattenbild wirkt die hergestellte Kontur des verlorenen barocken Hochaltares, die die Malerei begrenzt und damit die Baugeschichte von Gotik und Barock gleichzeitig zeigt. Eine feine textile Bespannung wurde zur optischen Beruhigung in die Gewölbe gehängt, so dass die Dominanz und Farbigkeit der durch Freilegungen stark gestörten Deckenbilder zurückgenommen ist.

Die am nördlichen Seitenaltar aufgestellte Madonna mit Kind ist neben den sehr qualitätvollen Epitaphen aus der Zeit um 1600 der Familie von Nothaft das einzige erhaltene Ausstattungsstück der Martinskirche. Mit der sehr zurückhaltenden neuen Ausstattung, die sich auf das für die Feier der Liturgie Notwendige beschränkt, entsteht ein neuer sakraler Ort, der an seine Geschichte anknüpft, den historischen Bestand respektiert und doch eine eigenständige Lösung sucht.